Schon dein Autopilot entdeckt?

Ich weiß, es geht manchmal nicht so schnell, wie du es dir erhofft hast. Du würdest dich gerne deiner „Schattenthemen“ entledigen. Dich vor allem von diesen Gefühlen befreien, die anscheinend bestimmte Menschen bei dir so schnell auslösen können. Die Gefühle die sich durch Wut, Zorn, Trauer oder Ohnmacht zeigen.

Na, welche Schutzmechanismen hast du dir deshalb „zugelegt“? Ach so, du wusstest gar nicht, dass es so etwas gibt? Na, dann sage ich kurz was dazu. Schutzmechanismen sind Strategien, die dir helfen sollen, diese unliebsamen Gefühle nicht zu fühlen bzw. dich zu schützen. Ja, das läuft in deinem Unterbewusstsein ab – quasi auf Autopilot. Und diese Mechanismen tragen wir meist schon Jahrzehnte (!) mit uns herum.

Es könnte sein, dass du…

  • …dich bei Konflikten zurück ziehst. Dich quasi in dich selbst verkriechst. In dein „eigenes Reich“ läufst und mundtot wirst. Einfach, damit du dich nicht ausgeliefert fühlst, da du als Kind abgespeichert hast, dass du unterlegen bist. (Glaubenssatz „Ich bin machtlos.“)

 

  • …perfektionistisch bist, damit dir kein Fehler unterlaufen kann, damit dir niemand vorhalten kann, du bist nicht gut genug. (Glaubenssatz: „Ich genüge nicht.“)

 

  • …sehr impulsiv bist und einfach verbal um dich schlägst. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Deshalb, weil du auch als Kind das Gefühl hattest DEINE Meinung zählt nicht. (Glaubenssatz: „Ich bin nicht wichtig.“)

 

  • …versuchst wieder die Harmonie um jeden Preis herzustellen, meist auf Kosten deiner wirklichen Gefühlslage. Deshalb, weil du von klein auf gelernt hast, dass du besser durch das Leben kommst, wenn du dich um jeden Preis anpasst und dich bloß nicht wehrst. Nur zu welchem Preis? (Glaubenssatz „Ich muss mich anpassen.“)

 

  • …sehr kontrollierst bist und insgeheim Angst vor unkalkulierten Situationen hast. Als (falsche) „Lösung“ könntest du zwanghafte Selbstdisziplin und Grübelzwang wählen. (Glaubenssatz „Ich muss alles im Griff haben.“)

 

  • …deine Macht nach außen demonstrierst, da du von klein auf Angst vor der Übermacht deiner Eltern hattest. Und du heute noch diesen „Machtmissbrauch“ auf dein Gegenüber projizierst. (Glaubenssatz „Ich bin ohnmächtig.“)

 

  • …einfach eine Rolle spielst, dich hinter eine Maske versteckst und dich nicht wirklich „zeigst“, also authentisch bist, so wie du dich fühlst und wie es dir geht. Da du früh erfahren hast, dass du dich nicht zeigen darfst, wie du bist. (Glaubenssatz „Ich darf nicht ich sein.“)

 

  • …deine Verantwortung delegierst, dich einfach unterordnest, möchtest, dass jemand anderes das für dich löst, klärt. Da du früh erfahren hast, dass du dich schuldig fühlst, wenn du dich von den Eltern entfernst, du also nicht enttäuschen darfst. (Glaubenssatz „Ich bin abhängig.“)

 

 

…es gibt noch weitere Mechanismen. Vielleicht hast du dich schon in einer oder mehreren wiedererkannt? Meist haben wir mehrere am Start. Eigentlich sind ja Schutzmechanismen ganz ok, könnte man jetzt glauben. Klar, die haben dir damals geholfen, dass du damit „überleben“ kannst, da du dich schwach, hilflos, minderwertig gefühlt hast. Aber heute darf es anders sein. Du darfst wieder authentisch leben – nicht überleben!

Denn dein hinderliches unbewusstes „Glaubenssatz“-Denken führt zu einem Gefühl und dann zu einer Handlung und das ist das eigentliche Problem.

Was kannst du jetzt tun, um diese neuronalen Verstrickungen – die sogenannten Datenautobahnen, die sich oft Jahrzehnte gebildet haben – zu verändern?

 

  1. Werde Detektiv: Gehe gedanklich in die Situationen, die du erst erlebt hast und die du gerne anders gehabt hättest. Notiere dir: Was war passiert? Wer war beteiligt? Was hast du gefühlt? Sind Sätze in dir aufgetaucht? Kennst du eine ähnliche Situation aus deiner Kindheit?

Beispiel Nina: „Mein Chef hat mir den Vorwurf gemacht, dass ich in einem wichtigen Kundengespräch relevante Infos vergessen hätte. Aber ich habe doch den wichtigen Kundenauftrag bekommen. Das verstehe ich nicht und macht mich ziemlich wütend. Mein erster Gedanke war gleich „Wie bei meinem Vater.“ Denn meinem Vater konnte ich es damals schon nicht alles recht machen. Damals bin ich dann einfach in mein Zimmer gerannt und habe die Tür geknallt, da ich mich verletzt und unverstanden gefühlt habe. Als Sätze kamen hoch: „Ich bin nicht genug.“, „Ich kann es niemandem Recht machen.“.

Als Schutzmechanismus habe ich wohl die Strategie gewählt, dass ich versuche perfektionistisch zu sein, um diese Gefühl nicht spüren zu müssen. Und ich vermeide auch Konfronationen. Das macht mich aber auf Dauer unglücklich und bringt mich so langsam in eine Überbelastung.“

 

  1. Realitätscheck:

Jetzt schaue dir in Ruhe an, wer damals miteinander agiert hat und wer heute.

Nina (31 Jahre) – Chef, aber eigentlich Nina (8 Jahre) – Vater.

Der verletzte Anteil von Nina hat in dem Beispiel die Führung übernommen. Das „Erwachsenen-Ich“ von Nina darf das jetzt übernehmen und es sich bewusst einmal anschauen. Sehen, dass solche Projektionen passieren, wie mit dem Chef. Und dass das Unterbewusste in Millisekunden völlig automatisch reagiert. Die eigentliche Ursache liegt aber ganz wo anders. Diese Situation, die in der Kindheit ihren Ursprung hat, kann nie heute hier und jetzt mit den damaligen Akteuren geklärt werden, sondern nur in Nina eine „Heilung“ bekommen.

 

  1. Lerne deine Trigger kennen: Je mehr du anfängst dir diese Situationen in Ruhe anzuschauen und vielleicht sogar „Buch“ darüber zu führen, umso mehr wirst du dir auf die Schliche kommen: Du wirst deine Lieblingsstrategien erkennen, deine inneren „Sätze“ (Glaubensmuster) erfahren und so langsam ein Gefühl dafür bekommen, wo der Ursprung liegt.

 

  1. Nutze die Meta-Ebene: Eine richtig gute Coaching-Übung ist es, sich die Situation aus den „Augen“ der Beteiligten anzuschauen und dann auch einmal aus der Vogelperspektive (Metaebene). Dazu kann man in dem Beispiel drei Stühle nehmen. Dann setzt man sich auf den Stuhl für „Nina“ und schaut auf die Situation. Es werden Gefühle fühlbar und Gedanken kommen. Das gleiche dann mit dem 2. Stuhl für den „Chef“. Auch hier wieder, was denkt, fühlt der Vorgesetzte. Zum Schluß stellt man sich auf den 3. Stuhl und schaut sich beide Parteien aus der Vogelperspektive an. Das bringt richtig gute Einblicke und Erkenntnisse!

 

  1. Was wählst du stattdessen? Nachdem du dich „entlarvt“ hast, schreibe doch mal auf, was du dir stattdessen wünschst? Also wie würdest du gerne statt dessen reagieren?

In dem Beispiel von Nina, könnte Nina einen Termin beim Chef anfragen und noch einmal klären, welche Punkte er von ihr erwartet. Dann kann sie auch gleich ihre Punkte anbringen. Vielleicht ist ja auch die „Anerkennung“ durch die Projektion einfach unter gegangen?

Passt du dich automatisch an? Dann wäre vielleicht ein Schritt deinem Partner von deinen Bedürfnissen zu erzählen, statt gleich mundtot zu werden. Einfach auch mal zu deiner Meinung stehen. Dann wirst du auch als Person wieder „greifbarer“ und „authentischer“.

Spielst du eine Rolle? Da du glaubst als Ehefrau, Tochter, Freundin muss man so sein? Dann schaue dir mal an, was du diesen „Rollen“ alles unterjubelst und vor allem wie du zu dieser Erkenntnis kommst. Schreibe dir statt dessen einmal auf, was du vielleicht als Mutter von deiner Tochter erwartest, um deine eigene Rolle als Tochter zu durchleuchten. Erwartest du das gleiche von deiner Tochter, was du selbst als Tochter gegenüber deiner Mutter von dir forderst? Wenn nicht, warum ist das so?

Oder seien wir ehrlich, bist du vielleicht doch der Kontrollfreak? Der oder die es nicht ertragen kann, wenn mal etwas anders läuft? Frage dich doch einfach mal, warum du das ganze eigentlich vollführst? Oder warum du glaubst, dass dich anscheinend „Macht“ wirklich schützen kann? Vor was denn genau?

Du siehst, es gibt vielfältige Möglichkeiten. Wichtig ist, dass du deine Schutzmechanismen und damit deine Datenautobahn kennst. Die haben wir durch Konditionen „gebaut“ und dadurch kreieren wir auch unsere eigene subjektive Wirklichkeit.

Um was zu ändern, braucht es neue Trampelpfade, also neue neuronale Synapsen, die sich bilden können.

Denke immer daran: Dein Denken führt zu einem Gefühl und das zu deiner Erfahrung. Und durch die Interpretation deiner Erfahrung kreierst du dein Gefühl. Und aus dem Gefühl wird ein Gedanke und das zu einer Erfahrung und…. 😉 und so weiter.

Es lohnt sich! Komm dir auf die „Spur“. Vor allem, es geht kein Weg daran vorbei, wenn du was ändern willst.

Alles Liebe

Sibylle